Unsere traditionsreiche Geschichte – Parkett Kessel seit 1966 in Zella-Mehlis
…vor 1900 ab dem Jahr 1837 – Die 5. Schneidmühle Oberzella, eine von fünf Schneidmühlen im Ortsteil: Zella St. Blasii.
Hier wurde Luzian Kessel als sog. „Dielenschneider“ berühmt.
Traditionsreiche Schneidmühle Oberzella (1899) – Vom Ursprung zum heutigen Holz- & Parketthandwerk in Zella-Mehlis
Bereits um 1820 existierten in Zella-Mehlis mehrere Schneidmühlen im Ortsteil Zella – ein früher Beleg für die traditionsreiche Holzverarbeitung und die Entwicklung von Sägewerken in Thüringen.
Eine besondere Bedeutung hatte die sogenannte Fünfte Schneidmühle in der Oberzella, die im Ortsteil Zella St. Blasii lag und erstmals 1837 urkundlich erwähnt wurde. Dieses historische Sägewerk wurde durch einen Wasserantrieb mit Wasserrad betrieben – eine für die damalige Zeit seltene und innovative Technik. Das Wasserrad, wurde über ein Wehr am nahegelegenen Lubenbach gespeist und ermöglichte eine effiziente Verarbeitung von Holz.
Im Jahr 1899 wurde die Schneidmühle zum gerichtlichen Verkauf angeboten, woraufhin Lucian Kessel das Sägewerk erwarb und sich als Dielenschneider einen herausragenden Ruf erarbeitete. Die Herstellung von Fußbodendielen war zu dieser Zeit ein spezialisiertes Handwerk mit hoher Nachfrage.
Neben seiner Tätigkeit im Holz- und Sägewerksbereich engagierte sich Lucian Kessel auch wirtschaftlich: Am 26. Februar 1886 gründete er den „Konsumverein“ und war dort als Kassierer im Vorstand tätig.
Die Produktion von Fußbodendielen und Holzprodukten wurde kontinuierlich erweitert und ausgebaut. Nach dem plötzlichen Tod von Lucian Kessel am 20. Mai 1901 übernahm sein Sohn Ernst Kessel die Geschäfte. Im Jahr 1909 wurde die Schneidmühle durch einen Neubau ergänzt und zu einer modernen Bautischlerei mit Sägewerksbetrieb weiterentwickelt. Gemeinsam mit seinem Schwager Albert Carl führte Ernst Kessel das Unternehmen erfolgreich fort.
Historisches Ereignis 1925 – Brand der Schneidmühle Oberzella prägt das Parketthandwerk in Zella-Mehlis
In den frühen Morgenstunden des 2. November 1925 ereignete sich ein verheerender Brand in der historischen Schneidmühle in Zella-Mehlis. Innerhalb von nur zwei Stunden wurde das traditionsreiche Sägewerk vollständig zerstört, während der angrenzende Neubau der Zimmerei weitestgehend erhalten blieb.
„Am Morgen des 2.11.1925 brannte die Schneidmühle des Zimmermeisters Albert Carl vollständig nieder. Dank des schnellen Einsatzes der Feuerwehr konnte das Feuer eingedämmt und ein Übergreifen auf umliegende Gebäude verhindert werden. Die im Sägewerk lebenden Familien konnten sich retten, jedoch kam es tragischerweise auch zu einem Todesopfer.“
Bereits im Jahr 1926 erfolgte der Wiederaufbau: Kessel & Carl errichteten ein neues, modernes Sägewerk mit Horizontal-Vollgatter aus Stuttgart. Diese leistungsfähige Technik ermöglichte eine effiziente Verarbeitung von Holz zu Brettern, Bohlen und Kanthölzern und stärkte die regionale Holzverarbeitung in Thüringen nachhaltig.
Nach dem Tod von Alfred Kessel im Jahr 1954 übernahm seine Ehefrau Melitta Kessel den Betrieb und führte das Unternehmen unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen weiter. Aufgrund von Rohstoffknappheit, geringen Holzkontingenten und steigenden Holzpreisen musste das Sägewerk schließlich stillgelegt werden.
Trotz dieser Herausforderungen entwickelte sich der Holzhandel in Zella-Mehlis weiterhin positiv. Der Fokus verlagerte sich zunehmend auf den Bau und Verkauf von Fachwerkhäusern, wodurch das Unternehmen auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten bestehen konnte.
Die Auswirkungen des Zweiter Weltkrieg hinterließen jedoch deutliche Spuren in der Region und im Betrieb. Der Zimmermeister Albert Carl verstarb 1947, gefolgt von Ernst Kessel im Jahr 1952 – ein bedeutender Einschnitt in der Unternehmensgeschichte.
Verstaatlichung des Kessel-Betriebs in Oberzella während der DDR – Historie des Holz- & Parketthandwerks in Zella-Mehlis
Im Jahre 1959 musste der Betrieb eine staatliche Beteiligung aufnehmen. Im Zuge dessen wurde im Jahre 1972 der Betrieb ganz verstaatlicht und in einen volkseigenen Betrieb VEB Baureparaturen umgewandelt. Die Bautischlerei wurde weiter ausgebaut und Achim Kessel begann 1956 mit seiner 3-jährigen Lehre im Betrieb als Bautischler. Nach seiner Lehre 1959 wurde die Leistung des Betriebes um den Bereich: Parkettverlegung erweitert, was Achim völlig begeisterte.
1964 begann er seinen Meisterlehrgang bei der Handwerkskammer Suhl und erhielt am 01. September 1966 den Meisterbrief im Parkettleger Handwerk. Nur einen Monat später erhielt Achim Kessel den Gewerbeschein zur Parkettverlegung und zwei Jahre später seine Handwerkerkarte für zwei Gesellen. Durch enorme Schwierigkeiten der Behörden gab es ständig Höhen und Tiefen zu bewältigen. Ebenso ein Wechseln seines Standortes auf Grund von staatlichen Umständen in der DDR-Zeit.
Einen sehr guten Standort fand Achim Kessel 1979 in Ohrdruf im Landkreis Gotha
Bis zur Wiedervereinigung Deutschlands war er in Ohrdruf ansässig. Die Wende ermöglichte es, einen Teil des elterlichen Betriebes von der Treuhand im Heimatort Zella-Mehlis zurückzukaufen. Der vorgefundene Betriebsteil (Gebäude) war 1989 in einem total herunter gewirtschafteten und maroden Zustand. Eine längere Zeit in Eigenleistung von Familie und Kollegen wurde erforderlich, um das gesamte Anwesen Innen wie Außen in einen angemessenen Vorzeigezustand zu versetzen.
Das war nur möglich unter Mitarbeit aller im Team! Es waren harte Jahre, bis alles so war, wie es heute ist. Bürogebäude, Ausstellungsräume, Lager, Werkstatt und Garagen wurden fast von Grund auf neu ausgebaut. Als Mitbegründer der Erzeugnisgruppe Parkett in Halle, die 1990 in die Innung „Nordost“ umbenannt wurde, war Achim Kessel über 25 Jahre mit im Vorstand sowie Meisterprüfungsausschuss für Parkettleger tätig.
Vom Dielenschneider zum Parkettleger – Meisterhaftes Parkett-Handwerk aus Zella-Mehlis
Zugleich war er als Gutachter für das Parkettleger Handwerk durch die Handwerkskammer Suhl bestellt. Seit 2009 ist er im wohlverdienten Ruhestand, wobei er noch ab und an in der Firma anzutreffen ist, wenn er seinem Hobby „Schreinern“ nachgeht. Er findet immer etwas, was er aus Holz und Parkett bauen und gestalten kann. Einige Unikate werden auch in den Ausstellungsräumen angeboten.
Auch heute noch freut sich Parkett KESSEL auf langjährige Partnerschaften zu den Lieferanten, bei denen der Betrieb z.B. die Kundennummer 1 hat. Zu nennen sind Firmennamen wie: HARO Hamberger Flooring, Pallmann, Bona, Gunreben, Leisten-Wagner. An dieser Stelle auch ein Dankeschön an alle Mitarbeiter der Lieferanten für die sehr gute Zusammenarbeit seit dem Jahre 1990.
Genau an dieser Stelle geht auch ein herzliches Dankeschön an Achim Kessel und Ehefrau Rutwiga für das unermüdliche Engagement, dem Aufbau, die Kontaktanbahnung und die langjährigen Geschäftsbeziehungen, die man über die viele Jahre hinweg aufrechterhielt.
Eine von Fünf Schneidmühlen im Ortsteil „Zella St. Blasii“ – historische Daten:
- Schneidmühle Oberzella Karl & Kessel
- erste Erwähnung 1837
- eigener Wasserrad Hammer
- ca. 20 Beschäftigte unter Leitung von Zimmermeister Albert Karl
- 1925 – Brand
- 1926 – Neubau vom modernen Vollgatter des Sägewerks
Fünf Historische Schneidmühlen früher im Ortsteil Zella St. Blasii im Thüringer Wald
Mini – Glossar
Schneidmühle
Eine Schneidmühle ist eine wasserbetriebene Anlage zur Holzbearbeitung. Hier wurden Baumstämme zu Brettern, Bohlen und Dielen geschnitten – eine wichtige Grundlage für Bau und Handwerk.
Antrieb
Die Mühle wird durch ein Wasserrad angetrieben. Fließendes Wasser setzt das Rad in Bewegung und liefert die notwendige Energie – ganz ohne Strom.
Funktionsweise
Die Drehbewegung des Wasserrads wird über Wellen und Zahnräder übertragen. Eine Mechanik wandelt diese in eine Auf- und Abwärts Bewegung um. Eine sogenannte Gattersäge schneidet den Baumstamm schrittweise in Bretter.
Regionale Geschichte
Im Ortsteil Zella gab es im 19. Jahrhundert mehrere Schneidmühlen, darunter fünf im Ortsteil Zella. Sie waren ein wichtiger Bestandteil der lokalen Wirtschaft.
Bedeutung
Schneidmühlen zeigen die Nutzung erneuerbarer Energie lange vor der Elektrifizierung. Heute sind sie Zeugnisse regionaler Geschichte und früher Technik.
Die Gattersäge – das Herzstück der Schneidmühle
Eine Gattersäge ist eine vertikal arbeitende Rahmensäge, die Baumstämme in Bretter schneidet.
Vorgangsweise:
- Stamm wird fixiert
- Sägeblatt bewegt sich auf und ab
- Vorschubmechanismus schiebt das Holz langsam nach
Die Funktionsweise einer Schneidmühle einfach erklärt
Ablauf:
- Wasser treibt das Wasserrad an
- Drehbewegung wird über Wellen übertragen
- Mechanik wandelt Drehung in Hubbewegung
- Gattersäge schneidet Holzstämme
- Ergebnis: Bretter, Bohlen, Dielen
Der ganze Prozess lief vollständig ohne Strom, sondern rein mechanisch ab.















