Wenn ein altes Foto plötzlich lebendig wird

Manchmal liegt eine Geschichte lange vor unseren Augen, ohne dass wir sie wirklich sehen. Sie steckt in alten Fotografien, in einem Stück Fachwerk, in einem Namen, der von einer Generation zur nächsten weitergegeben wurde, oder in einem Gebäude, an dem man vielleicht jeden Tag vorbeigeht bzw. so wie wir auch darauf schaut.

Und manchmal genügt ein genauerer Blick darauf.

Genau so begann unsere Suche nach der Geschichte hinter diesen alten Fotografien. Wir wollten zunächst eigentlich nur mehr über die Menschen, die Gebäude und die ehemalige Schneidmühle erfahren, die auf den Bildern zu sehen sind. Je länger wir uns jedoch mit den Fotos, den uralten Unterlagen und den Erinnerungen unserer Familie beschäftigten, desto deutlicher wurde eine Verbindung, die sich durch all diese vielen Jahre mitzieht: das Holz.

Holz war damals der Werkstoff, mit dem Menschen gearbeitet, gebaut und gelebt haben. Es kam aus dem Wald, wurde zu Stämmen in der Schneidmühle weiterverarbeitet und schließlich entstanden Dinge wie starke Dielen, lange Balken, Fachwerk-Häuser und viele weitere Dinge, die einfach zum täglichen Leben gehörten.

Und Holz ist auch heute noch ein Teil unserer eigenen Familiengeschichte.

Unsere Geschichte führt dabei nach Zella-Mehlis, in die Oberzella an einen Ort, an dem die Verarbeitung von Holz schon lange vor unserer Familie eine Rolle spielte. Die Schneidmühle im Ortsteil Zella wurde am 11. November 1837 erstmals urkundlich erwähnt, als Fünfte Schneidmühle. Erst viele Jahrzehnte später wurde dieser Ort mit dem Namen Kessel fest verbunden.

Wenn wir heute diese alten Bilder betrachten, sehen wir deshalb nicht nur Gebäude oder Teile davon. Wir sehen einen Ort, Menschen die wir nicht kannten und einen Werkstoff, der Generationen miteinander verbindet.

Ein Haus aus Holz und die Menschen, die es gebaut haben

Oben dieses historische Titelbild, das heute am Anfang unserer Geschichte steht, zieht uns immer wieder in seinen Bann. Zu sehen ist ein Fachwerkhaus während seiner Entstehungszeit. Das hölzerne Tragwerk steht hier bereits und überall auf dem Bild befinden sich Menschen.

Je länger wir das Bild betrachtet haben, desto mehr Gesichter haben wir entdeckt. Schließlich kamen wir auf etwa 29 Menschen, die auf dem Bild zu erkennen sind.

Keinen dieser Menschen haben wir persönlich gekannt, das war lange vor unserer Zeit. Wir kennen ihre Namen nicht und können heute nicht mehr sagen, welche Aufgabe jeder einzelne beim Bau übernommen hat. Deshalb möchten wir ihnen auch keine Geschichten zuschreiben, die wir nicht belegen können.

Aber wir können sehen, dass sie gearbeitet haben.

Sie stehen auf dem Gerüst und zwischen den mächtigen Balken des Hauses. Einige befinden sich weiter oben, andere stehen auf den unteren Ebenen. Gemeinsam sind sie ein Teil dieses entstehenden Hauses und seiner Geschichte.

Was uns daran besonders berührt, ist der Gedanke, dass diese Menschen wahrscheinlich nie erfahren haben, dass mehr als hundert Jahre später jemand ihr Foto in die Hand nehmen und sich fragen würde, Wer sie waren?

Sie konnten nicht wissen, dass ihr Werk einmal zu einem Teil der Geschichte dieses Ortes werden würde.

Vielleicht wussten sie nicht einmal, wie lange dieses Haus bestehen würde.

Heute betrachten wir ihre Gesichter und erkennen darin Menschen, die mit ihren Händen etwas geschaffen haben, das sie selbst überdauert hat.

Das ist für uns einer der berührensten Gedanken dieser alten Fotografien. Wir haben keinem dieser Menschen jemals die Hand geschüttelt und doch begegnen wir Ihnen in dem, was sie uns hinterlassen haben.

Fachwerk – Wohnhaus um 1900

Das Holz vom Wald ins Zuhause – leise Verbindungen in der Familiengeschichte Kessel ab 1901

Das Fachwerk und die Kunst des Bauens mit Holz

Wenn man das Foto genauer betrachtet, erkennt man, wie viel Holz in diesem Haus steckt. Das Tragwerk besteht aus Ständern, Riegeln und Streben, die gemeinsam die Konstruktion ausbilden.

Damals entstand ein solches Gebäude nicht mit den technischen Möglichkeiten, die wir heute kennen. Holz musste vorbereitet, bearbeitet und miteinander verbunden werden, oft mit sehr einfachem Werkzeug. Die Menschen brauchten Erfahrung, handwerkliches Können und ein genaues Verständnis für das Material.

Das Holz war nicht einfach nur Baumaterial. Jeder Balken musste zu seiner Aufgabe passen. Das Fachwerk wurde aufgerichtet und wenn das Tragwerk stand, war ein wesentlicher Teil des Hauses geschafft. Aus einzelnen Balken entstand langsam ein Gebäude, das später Menschen ein Zuhause geben sollte.

Vielleicht liegt gerade darin die besondere Schönheit des Bildes. Wir sehen kein fertiges Haus, sondern noch den Augenblick, in dem etwas entsteht, es ist noch nicht komplett vollbracht.

Wir sehen Holz, das noch ganz unmittelbar mit der Arbeit der Menschen verbunden ist. Und wir sehen Menschen, die gemeinsam daran arbeiten, aus einzelnen Teilen etwas Ganzes zu schaffen.

alte Schneidmühle vor dem Brand

Das Holz vom Wald ins Zuhause – leise Verbindungen in der Familiengeschichte Kessel ab 1901

Die Schneidmühle in der Oberzella

Die Geschichte der Schneidmühle reicht weit zurück. Am 11. November 1837 wurde sie erstmals urkundlich erwähnt.

Im Laufe der folgenden Jahrzehnte wechselten Ihre Besitzer. 1869 ging die Schneidmühle an Anton Anschütz. 1897 wurde sie an den Kaufmann Nicol verkauft, der sie für eine Möbelproduktion weiter nutzte.

1899 kam es zu einem gerichtlichen Verkauf. Von diesem Zeitpunkt an wurden Lucian Kessel und Albert Karl als Eigentümer der Schneidmühle genannt.

Damit trat der Name Kessel in die Geschichte dieses Ortes ein.

Es ist uns wichtig, dabei zwischen der Geschichte des Ortes und der Geschichte unserer Familie zu unterscheiden. Die Schneidmühle bestand bereits viele Jahrzehnte, bevor Lucian Kessel mit ihr verbunden wurde.

Aber ab 1899 wurde sie zu einem Teil der Familiengeschichte Kessel, das ist heute 127 Jahre her, für uns einfach unvorstellbar.

Und wenn wir nun heute auf die alten Fotos schauen, wird diese Verbindung plötzlich sichtbar. Zu erwähnen ist das besondere an dieser fünften Schneidmühle, diese wurde damals von einem Wasserrad angetrieben und es stand ein Wehr direkt im Lubenbach. Lange Zeit waren alte Einzelteile noch sichtbar. Für uns heute sehr schade, leider ist kein Foto zum Wasserrad und Wehr auffindbar.

Das nächste Foto quasi das „Innenleben“ berührt mich sehr, schreibt Pia Kessel-Würtenberger.

Schneidmühle mit Vollgatter

Das Holz vom Wald ins Zuhause – leise Verbindungen in der Familiengeschichte Kessel ab 1901

Lucian Kessel und der Beruf des Dielenschneiders

Besonders fasziniert uns dabei eine Angabe aus dem Stadtarchiv. Neben dem Namen unseres Vorfahren Lucian Kessel steht als Beruf: Dielenschneider.

Dieses alte Wort sagt viel über die Arbeit mit Holz aus.

Ein Dielenschneider beschäftigte sich mit der Herstellung von Dielen aus ganzen Baumstämmen. Dielen waren ein wichtiger Bestandteil von Häusern und Wohnungen. Sie bildeten Böden, wurden für den Innenausbau verwendet und begleiteten Menschen über viele Jahre hinweg.

Für uns ist es eine besonders schöne Verbindung, dass ein Vorfahre unserer Familie diesen wertvollen Beruf ausübte.

Denn auch heute dreht sich unsere Arbeit um Holz und Böden.

Natürlich ist ein Dielenschneider von damals nicht mit einem heutigen Parkettleger gleichzusetzen. Die Arbeitsweise, die Werkzeuge und die technischen Möglichkeiten haben sich vollkommen verändert.

Aber der Werkstoff ist derselbe geblieben.

Vielleicht erklärt gerade dieser alte Berufsname, warum uns das Foto von Lucian Kessel mit seinen Berufskollegen so besonders berührt.

Lucian Kessel inmitten seiner Arbeitswelt

Auf dem historischen Foto sitzt Lucian Kessel inmitten einer Gruppe von Männern. Einige von ihnen halten oder tragen Werkzeuge und Sägen.

Wir wissen nicht, ob alle Männer auf dem Foto tatsächlich Dielenschneider waren und wir können heute auch nicht mehr jeden Einzelnen identifizieren. Das möchten wir so stehen lassen.

Denn gerade diese Ungewissheit gehört diesem Foto.

Wir sehen Menschen aus einer Zeit, die mehr als hundert Jahre zurückliegt. Wir wissen nicht, welche Häuser sie gebaut haben, welche Dielen durch ihre Hände gingen oder welche Geschichten sie selbst erlebt haben.

Aber wir wissen, dass sie gearbeitet haben.

Und wir können uns vorstellen, wie wichtig Holz damals für den Alltag gewesen sein muss.

Holz wurde gebraucht, um Häuser zu bauen, Dächer zu tragen, Böden zu schaffen, Möbel herzustellen und viele Dinge des täglichen Lebens entstehen zu lassen.

Wenn man heute einen alten Holzbalken betrachtet, ist es manchmal erstaunlich, wie viel Geschichte in einem scheinbar einfachen Stück „Holz“ stecken kann.

Lucian Kessel

Das Holz vom Wald ins Zuhause – leise Verbindungen in der Familiengeschichte Kessel ab 1901

Menschen, deren Namen wir nicht mehr kennen

Vielleicht sind die alten Fotografien deshalb so wertvoll. Sie geben uns die Möglichkeit, Menschen zu sehen, die längst nicht mehr unter uns sind.

Wir haben keinem dieser Männer je die Hand geschüttelt. Wir kennen ihre Stimmen nicht und wissen nicht, wie sie gesprochen oder gelacht haben.

Aber ihre Gesichter sind uns geblieben. Und mit ihnen ist ein kleiner Teil ihrer Arbeit geblieben.

Vielleicht haben einige dieser Männer an Häusern gearbeitet, die heute längst nicht mehr stehen oder gar verfallen. Vielleicht sind Dielen, die sie einst hergestellt haben, irgendwann ausgetauscht worden. Vielleicht gibt es aber auch Dinge, die ihre Hände geschaffen haben und die bis heute irgendwo erhalten sind. Wir werden es wahrscheinlich nie mehr erfahren.

Aber wir können ihre Arbeit achten. Denn Handwerk besteht immer auch aus Menschen, die etwas mit ihren bloßen Händen schaffen, das später von anderen Menschen genutzt wird.

Die Arbeit endet nicht unbedingt mit dem Feierabend des Handwerkers. Manchmal lebt sie noch Jahrzehnte später weiter und Menschen nutzen sie auch weiter und füllen es mit Leben.

Häuser, Dielen und das Leben mit Holz

Wenn wir über Holz sprechen, denken wir heute schnell an glatte oder strukturierte Oberflächen, modernes Parkett und lebendige Innenräume.

Damals war Holz noch viel unmittelbarer mit dem täglichen Leben verbunden. Es war Baustoff, Werkstoff und die Lebensgrundlage zugleich.

Aus Holz entstanden Häuser und Fachwerk, aus Baumstämmen wurden Dielen geschnitten, die später den Boden bildeten, auf dem Menschen lebten. Auch Möbel und viele Dinge des täglichen Lebens entstanden aus diesem tollen Werkstoff. Vielleicht war gerade deshalb das Verhältnis der Menschen zum Holz ein anderes.

Wer mit einem Baumstamm arbeitete, musste sein Gewicht kennen. Man musste wissen, wie sich Holz verhält, wie es wächst und wie es sich bearbeiten lässt.

Ein großer, schwerer Stamm war kein abstraktes Material. Er war etwas, das bewegt, geschnitten und verarbeitet werden musste.

Und hinter jedem Stamm stand einmal ein Baum, der viele Jahre im Wald gewachsen war und sich erst prächtig entwickelte.

Holzflächen ca. 1950

Das Holz vom Wald ins Zuhause – leise Verbindungen in der Familiengeschichte Kessel ab 1901

Brand und Neubeginn mit Kraft der Männer

Die Geschichte der Schneidmühle blieb leider nicht von schweren Ereignissen verschont, auch wenn dies einhundert Jahre her ist.

Am 2. November 1925 kam es zu einem verheerenden Brand, selbst 2015 fanden wir noch bei Erdarbeiten verkohlte Brandteile, wie Holzrester. Die Schneidmühle wurde hierbei vollständig zerstört und ein Mensch verlor dabei sein Leben.

Der Teil der Zimmerei blieb vom Feuer verschont, lediglich das Dach wurde beschädigt. Doch bereits 1926 entstand eine neue Schneidmühle, größer als zuvor.

Wenn wir diese Zeilen in der Chronik unserer Meilensteine lesen, ist das zunächst nur eine Jahreszahl und eine sachliche Angabe.

Wenn man sich jedoch vorstellt, was ein solcher Brand für die Menschen vor Ort in jener Nacht bedeutet haben muss, bekommt die Geschichte eine andere Tiefe.

Ein vertrauter Arbeitsplatz war verloren. Eine ganze Welt aus Holz, Maschinen und Arbeit war zerstört. Und trotzdem wurde nach dem schrecklichen Ereignis kein Zweifel am Wiederaufbau gelassen.

Das ist ebenfalls eine leise Verbindung innerhalb dieser Familiengeschichte: Menschen verlieren etwas, stehen vor den Trümmern ihrer Arbeit und beginnen trotzdem von Neuem. Doch aus Holz konnte auch nach einem solchen Verlust wieder etwas Neues entstehen.

Wiederaufbau nach Brand

Das Holz vom Wald ins Zuhause – leise Verbindungen in der Familiengeschichte Kessel ab 1901

Ein Name geht weiter

Lucian Kessel selbst erlebte diesen späteren Neubeginn nicht mehr.

Er starb im Jahre 1901, hierzu fanden wir die Todesanzeige im Archiv der Stadt Zella-Mehlis. Sein Erbe ging an seinen Sohn Ernst Kessel. Noch im selben Jahr wurde Alfred Kessel, der Sohn von Ernst, geboren. Eine Generation ging, während die nächste bereits begann.

Solche Übergänge finden sich in vielen Familiengeschichten. Manchmal sind sie kaum sichtbar. Ein Name wird weitergegeben, ein Beruf verändert sich, ein Grundstück bleibt in der Familie oder ein Gegenstand wird aufgehoben.

Bei uns ist es besonders schön, dass auch der Vorname Lucian weitergetragen wurde. Viele Jahrzehnte später erhielt mein Vater den zweiten Vornamen Lucian: Achim „Lucian“ Kessel.

Vielleicht war es früher ganz selbstverständlich oder einfach traditionell, Namen aus der Familie weiterzugeben. Heute sind solche alten Vor- und Zweitnamen wieder beliebter geworden.

Für uns ist dieser Name jedoch mehr als eine schöne Tradition.

Wenn wir heute Lucian lesen, denken wir nicht nur an einen Namen aus der Chronik. Wir denken an einen Menschen, der mehr als hundert Jahre vor uns lebte und dessen Beruf bereits mit Holz und Dielen verbunden war.

Das ist eine dieser kleinen Verbindungen, die man erst entdeckt, wenn man genauer hinsieht – so sieht dies heute Pia Kessel-Würtenberger.

Vielleicht sind es am Ende nicht die großen Ereignisse, die eine Familiengeschichte prägen. Sondern die leisen Verbindungen, die von Generation zu Generation weitergetragen werden wie die Jahresringe eines Baumes, die erst sichtbar werden, wenn man genauer hinsieht.

Die leisen Verbindungen zwischen damals und heute

Je länger wir uns mit dieser Geschichte beschäftigen, desto mehr solcher Verbindungen entdecken wir. Keine davon wurde geplant. Sie sind einfach so entstanden.

Da ist der Ort in der Oberzella, an dem schon lange vor unserer Zeit das Holz verarbeitet wurde. Da ist Lucian Kessel, dessen Beruf als Dielenschneider im Stadtarchiv festgehalten ist.

Da ist sein Name, der später als zweiter Vorname in unserer Familie weitergetragen wurde. Da sind diese alten Fotos mit den Menschen, deren Namen wir nicht kennen, deren Arbeit aber sichtbar geblieben ist.

Da ist das Fachwerkhaus, dessen hölzernes Tragwerk noch heute von der Arbeit fleißiger Menschen vergangener Generationen erzählt.

Und da ist schließlich die Verbindung zu unserer eigenen Zeit.

Denn auch im Jahre 2001 spielte Holz auf unserem Grundstück wieder eine wichtige Rolle.

2001 – wieder ein Haus aus Holz

Als mein Vater 2001 die neue Ausstellung aus Holz baute, dachte wahrscheinlich niemand daran, dass darin eine Verbindung zu den Generationen vor ihm liegen könnte.

Es war ein Neubau für eine Zeit des Neubeginns nach der Wende wieder im Heimatort Zella-Mehlis.

Ja, die Arbeitswelt hatte sich verändert. Die Maschinen sind moderner geworden, die Anforderungen an einen Betrieb sind einfach andere und auch das Leben rund um den alten Holzplatz hatte sich verändert, auch wenn er diesen noch spielend als Junge zum herumtoben kannte.

Und trotzdem wurde wieder mit Holz gebaut. Fast ein Jahrhundert nach dem alten Fachwerk entstand auf dem geteilten Grundstück daneben erneut ein Gebäude, bei dem Holz eine wichtige Rolle spielte. Das ist für uns heute eine besonders schöne Erkenntnis.

Es war nicht dieselbe Firma, nicht dieselbe Arbeitsweise und nicht derselbe Beruf. Aber etwas hatte sich über die Jahrzehnte hinweg erhalten: die Verbindung zum Holz. Auch 2001 wurde auf unserem Grundstück wieder mit diesem natürlichen Werkstoff gebaut.

Vielleicht sind es genau solche Verbindungen, die eine Familiengeschichte so lebendig machen. Sie müssen nicht immer offensichtlich sein. Manchmal liegen sie einfach da und warten darauf, entdeckt zu werden.

Neubau 2001

Das Holz vom Wald ins Zuhause – leise Verbindungen in der Familiengeschichte Kessel ab 1901

Was bleibt, wenn sich die Zeiten verändern?

Im Laufe der Jahrzehnte haben sich die Werkzeuge verändert, die Maschinen wurden moderner und auch die Arbeitsweisen haben sich weiter entwickelt. Aus den alten Berufen sind neue Berufsbilder entstanden und natürlich hat sich auch unsere eigene Arbeit und die Themen verändert.

Aber eines ist geblieben: Holz als unser wichtigster Werkstoff. 

Es wächst noch immer im Wald, es braucht Erdboden. Es wird noch immer verarbeitet, zu vielen verschiedenen Produkten. Es wird noch immer zu Böden und zu Möbeln, zu Häusern und zu anderen Dingen, die Menschen in ihrem Alltag begleiten, benötigt und entsprechend in Form weiterverarbeitet.

Vielleicht liegt darin etwas ganz Besonderes im kleinen Detail. Holz ist ein Material, das seine Vergangenheit nicht vollständig versteckt.

Man kann seine Jahresringe sehen. Man erkennt Maserungen, Äste und Strukturen. Alte Gebrauchsspuren erzählen davon, dass etwas schon einmal in einem anderen Zusammenhang gelebt hat. Bekanntlich, astfreie Bäume begegnen uns nicht im Wald.

Ein alter Balken kann Teil eines Hauses gewesen sein, das Menschen vor hundert Jahren bewohnten. Auch in unserem Altbau befinden sich noch die damaligen Balken die das Haus tragen.

Eine alte Diele kann von unzähligen Schritten getragen worden sein. Und ein neuer Parkettboden kann eines Tages selbst Teil der Geschichte einer großen Familie werden.

Vom Holz zum Parkett im Zuhause

Heute führt unsere Arbeit mit Holz einen anderen Weg.

Die Schneidmühle gibt es in dieser Form nicht mehr. Das historische Vollgatter und die damaligen Arbeitsabläufe gehören zur Vergangenheit, ebenso die alte Wehr am Lubenbach. Aber die Verbindung zum Holz ist geblieben.

Wenn aus einem Stück Holz ein Parkettboden entsteht, denken wir nicht nur an das fertige Produkt.

Wir denken auch an den Baum, aus dem dieses Holz stammt. An den Wald, in dem er gewachsen ist. An die Menschen, die das Holz über viele Jahrzehnte hinweg bearbeitet haben. Und an die Menschen, die später auf diesem Boden leben werden. Denn genau dort schließt sich der Kreis.

Aus dem Baum wird Holz, aus dem Holz entsteht Parkett und aus dem Parkett wird schließlich ein Teil eines Zuhauses. Ein Boden ist nicht nur etwas, auf dem man geht. Er begleitet das Leben einer Familie. Kinder wachsen darauf auf, Menschen ziehen ein und wieder aus, Möbel verändern ihren Platz und Räume bekommen neue Geschichten.

Und irgendwann wird auch dieser Boden selbst Teil einer Erinnerung sein.

Vom Wald ins Zuhause

Wenn wir heute an unsere Arbeit denken, beginnt die Geschichte deshalb nicht erst beim fertigen Parkett. Sie beginnt viel früher. Draußen im Wald.

Dort wächst der Baum über viele Jahre. Irgendwann verlässt er den Wald und wird zum Stamm. Früher führte sein Weg vielleicht auf einem Holzplatz zu einer Schneidmühle. Dort wurde er bearbeitet und erhielt eine neue Form, an ihm wurde fleißig gewerkelt.

Vor mehr als hundert Jahren standen Menschen an solchen Maschinen und arbeiteten mit ihren Händen. Einer von ihnen war unser Vorfahre Lucian Kessel. Später kamen andere Generationen.

Die Maschinen veränderten sich, die Berufe entwickelten sich weiter und auch die Gebäude bekamen im Laufe der Zeit ein anderes Gesicht. Aber der Werkstoff blieb derselbe und begleitet uns bis heute.

Aus Holz entsteht heute wieder etwas, das Menschen unmittelbar in ihrem Leben begleitet: ein Parkettboden und damit ein Stück Natur im Zuhause.

Vielleicht ist genau das die schönste Verbindung zwischen damals und heute. Der Baum verlässt den Wald, aber seine Geschichte endet dort nicht. Sie wandert durch die Hände von Menschen weiter. Sie wird zu einem Teil eines Hauses.

Und manchmal wird sie sogar zu einem Teil einer Familiengeschichte.

Foto von Achim Kessel – Holzplatz ca. 1956

Das Holz vom Wald ins Zuhause – leise Verbindungen in der Familiengeschichte Kessel ab 1901

Unsere Geschichte geht weiter

Vielleicht ist es genau das, was uns an Holz so fasziniert. Es verbindet die Vergangenheit mit der Gegenwart, ohne dass man es auf den ersten Blick bemerken muss. Ein alter Balken kann von einem früheren Leben erzählen.

Und eine alte Diele kann die Spuren vieler Jahre des Lebens tragen. Doch der Baum kann lange wachsen, bevor er zu einem Werkstoff wird. Und ein natürlicher Parkettboden kann wiederum viele Jahrzehnte lang Teil eines Zuhauses sein.

So verbindet sich der Wald mit dem Menschen, der Mensch mit seinem erlernten Handwerk, das Handwerk mit dem Zuhause und schließlich eine Generation mit der nächsten. Es entsteht ein lebendiger Kreislauf, der weit über den eigentlichen Werkstoff hinausgeht.

Vielleicht sind es deshalb gerade diese leisen Verbindungen, die uns so berühren.

Sie stehen nicht auf einem Schild geschrieben und sie sind nicht immer in einer Chronik vermerkt.

Manchmal entdeckt man sie erst in einem alten Foto das sogar restauriert werden muss, in einem Namen oder in einem Stück Holz.

Holz bleibt…

Wenn wir heute auf diese Geschichte zurückblicken, sehen wir, wie vieles sich im Laufe der Jahrzehnte verändert hat. Die frühere Schneidmühle hatte ihre Zeit, Menschen sind gekommen und gegangen, Maschinen wurden ersetzt, Gebäude haben sich verändert und auch unsere Berufe haben sich mit den Anforderungen ihrer Zeit weiterentwickelt.

Doch eines ist geblieben: unsere Verbindung zum Holz. Diese begann schon lange vor unserer Zeit im herrlichen Thüringer Wald.

Sie führte zu Holzplätzen und Schneidmühlen, zu Dielenschneidern und Zimmerleuten, zu Fachwerkhäusern und Dielenböden. Sie führte durch die Familiengeschichte KESSEL und über viele Generationen hinweg bis in unsere Gegenwart zur Firma Parkett Kessel hindurch. Auch hier wurde im Jahre 2006 der Generationswechsel vollzogen.

Und heute führt sie weiter, hin zum Naturboden Parkett und zu den Menschen, die in einem Zuhause mit natürlichem Holz leben möchten. Vielleicht ist das die Geschichte, die in unseren alten Fotografien die ganze Zeit nur auf uns gewartet hat.

Es ist nicht nur eine Geschichte über eine historische Schneidmühle und auch nicht nur eine Geschichte über unsere Familienwelt. Es ist eine Geschichte über einen Werkstoff, der Menschen über Generationen hinweg begleitet: Holz. Vom Wald ins Zuhause.

Und vielleicht ist genau das die schönste aller leisen Verbindungen die wir entdeckt haben und mit Ihnen liebe Leser gerne teilen möchten.

Sie sind jetzt neugierig auf unseren Standort geworden, da laden wir Sie gern zu einem Besuch in unser Bodenstudio ein, schauen Sie sich um, welche Möglichkeiten an Naturböden es heute in breiter Vielfalt gibt. Lange und breite Dielen in verschiedenen Stärken und Holzarten, passend zu Ihrem Wohnstil. Mit handwerklichen Grüßen Ihre Familie Kessel.

Holz vom Wald ins Zuhause – leise Verbindungen in der langen Familiengeschichte Kessel