Freies Wort Ausgabe vom 21. Juli 2016

Am 21. Juli 2016 erschien in der Suhler Ausgabe des Freies Wort auf der Seite Zella-Mehlis der Artikel mit dem Titel:

„Die halbe Welt läuft über Parkett von Achim Kessel“

Verfasst wurde dieser von Heike Jenzewski – ein Titel, der die Lebensleistung treffend zusammenfasst. Die Handwerkskammer ruft jedes Jahr dazu auf, dass sich Handwerker mit über 50 Jahren Meistertitel melden, um ihren Meisterbrief vergolden zu lassen. Doch nur wenige Geschichten sind so reich an Erfahrung wie diese hier.

Ein besonderer Anlass: Der Goldene Meisterbrief

Im Jahr 2016 erhielt Achim Kessel eine der höchsten Ehrungen im deutschen Handwerk: den vergoldeten Meisterbrief, verliehen durch die Handwerkskammer Südthüringen. Zuvor erhielt er bereits die Silberne Ehrennadel im Handwerk.

Diese Auszeichnung erhalten nur Handwerker, die über 50 Jahre ihren Meistertitel tragen – ein beeindruckendes Zeichen für Beständigkeit, Fachwissen und Leidenschaft. Genau dieser Anlass führte dazu, dass Freies Wort den Weg in das Geschäft in der Heinrich-Ehrhardt-Straße in Zella-Mehlis fand.

Vom Festakt zum ausführlichen Interview

Nach der feierlichen Übergabe im Bildungs- und Technologiezentrum (BTZ) in Rohr bei Suhl nahm Heike Jenzewski persönlich Kontakt auf. Gemeinsam mit Fotograf Michael Bauroth entstand ein ausführliches Interview direkt im Betrieb.

Das was folgte, war weit mehr als ein klassischer Gesprächsleitfaden: „Es wurde eine eindrucksvolle Reise durch fünf Jahrzehnte Handwerksgeschichte von Achim Kessel“ für alle Anwesenden.

Selbstständigkeit in der DDR: Ein Weg voller Herausforderungen

Achim Kessel machte sich bereits 1966 selbstständig – ein mutiger Schritt in der damaligen DDR. Doch dieser Weg war geprägt von zahlreichen Hindernissen:

  • wiederholte bürokratische Einschränkungen
  • notwendige Standortwechsel zwischen Suhl und Gotha
  • mehrfacher Neuanfang unter staatlichen Bedingungen

Diese Erfahrungen beschreibt er selbst als eine Art „Odyssee“ im Handwerkerleben. Dennoch blieb er seinem Handwerk stets treu – ein Beweis für außergewöhnliche Standhaftigkeit.

Parkett im Wandel der Zeit – ein Stück Parkettgeschichte

Das Interview machte auch deutlich, wie stark sich das Handwerk verändert hat:

Früher:

  • Material nur auf Kontingent verfügbar
  • begrenzte Holzarten
  • überwiegend Stab- und Mosaikparkett

Heute:

  • große Auswahl an Holzarten
  • industrielle Fertigung
  • Mehrschicht- und Fertigparkett

Trotz aller Veränderungen bleibt Parkett ein langlebiger Bodenbelag – oft über Generationen hinweg nutzbar und renovier bar. Nicht ohne Grund gilt es als „Juwel“ unter den Fußböden.

Freies Wort berichtet 2016: Achim Kessel, die Wartburg und ein halbes Jahrhundert Parkettgeschichte

Glossar – Begriffe rund um Parkett

Stabparkett
Massive Holzstäbe Stärke mit 22 mm, die einzeln geklebt verlegt werden.


Mosaikparkett
Kleine Holzlamellen, die zu Mustern zusammengesetzt sind. z.B. Würfelmuster


Mehrschichtparkett
Mehrlagiger Aufbau für höhere Stabilität.


Goldener Meisterbrief
Auszeichnung für über 50 Jahre Meistertitel.


Kontingent
Staatlich zugeteilte Materialmengen in der DDR.


FDGB-Ferienheime
Urlaubseinrichtungen für Arbeitnehmer in der DDR. z.B. Panorama Oberhof