Nicht viele Handwerker können heute noch erzählen, dass sie in berühmten DDR-Bauwerken persönlich Parkett verlegt haben. Parkettleger Meister Achim Kessel gehört zu diesen Zeitzeugen. Bereits in den 1960er- und 1970er-Jahren arbeitete er in bedeutenden Gebäuden der ehemaligen DDR darunter exklusive Gästehäuser, historische Schlösser und sogar der damalige Palast der Republik in Berlin war dabei.
Manche dieser Objekte existieren heute nicht mehr, andere stehen leer und kämpfen gegen den Verfall der Substanz. Zurück bleiben Erinnerungen, Geschichten und ein Stück echter deutscher Handwerksgeschichte – so Achim Kessel.
Ja – auch in der DDR wurden berühmte Bauwerke mit edlem Parkett ausgestattet
Wer heute an die ehemalige DDR denkt, verbindet damit oft Plattenbauten, graue Fassaden und Materialknappheit. Doch hinter vielen repräsentativen Gebäuden verbarg sich hochwertiges Handwerk, besonders im Innenausbau. Genau dort kam Parkettlegermeister Achim Kessel ins Spiel.
Bereits zu DDR-Zeiten arbeitete er an zahlreichen bekannten Objekten, in denen hochwertige Parkettböden verlegt wurden. Dabei handelte es sich keineswegs nur um einfache Fußböden, sondern häufig um aufwendige Holzarbeiten in repräsentativen Sälen, Hotels, FDGB-Ferienhäusern, diverse Gästehäusern und historischen Gebäuden.
Besonders eindrucksvoll bleibt für ihn die Arbeit im damaligen Palast der Republik in Berlin in Erinnerung. Dort wurde exklusives Parkett verarbeitet, das teilweise sogar aus Mozambique importiert wurde. Hintergrund waren die engen politischen Beziehungen der DDR zu afrikanischen Staaten. Für rund 500 Quadratmeter Parkett kamen damals besondere Materialien zum Einsatz, für die damalige Zeit außergewöhnlich.
Doch die Arbeiten in solchen Prestigeobjekten waren nicht immer einfach. Strenge Kontrollen, Genehmigungen und sogenannte Passagierscheine gehörten zu seinem Handwerker-Alltag. Wer in sicherheitsrelevanten oder staatlichen Gebäuden arbeitete, musste sich zahlreichen bürokratischen Vorschriften unterordnen. Achim Kessel erinnert sich noch heute an Begegnungen mit Verantwortlichen des Staatsapparates sowie an manche Schikanen die damals zum Berufsalltag gehörten.
Zwischen Prunk, Verfall und Abriss – verlorene Bauwerke der DDR
Viele der Gebäude, in denen damals Parkett verlegt wurde, existieren heute nicht mehr. Manche wurden nach der Wiedervereinigung abgerissen, andere stehen bis heute leer und verfallen langsam.
Gerade historische Schlösser, Hotels oder ehemalige Ferienheime leiden oft unter ungeklärten Eigentumsverhältnissen, fehlenden Investitionen oder jahrelangem Leerstand. Dringt Feuchtigkeit in das Mauerwerk ein, werden Dächer undicht oder fehlt jede Nutzung, nimmt auch die wertvolle Innenausstattung erheblichen Schaden. Besonders Parkettböden reagieren empfindlich auf Nässe, Temperaturschwankungen und mangelnde Pflege.
Hinzu kommen komplizierte Erbfolgen, gescheiterte Investorenprojekte oder fehlende finanzielle Mittel für die doch sehr aufwendige Sanierungen. Nicht wenige Gebäude wurden deshalb dem Abriss überlassen obwohl sie einst architektonische und handwerkliche Besonderheiten darstellten.
Kessel-Hinweis:
Wir haben hier zwei Aufnahmen im Beitrag, die wir anlässlich unseres 50. Firmenjubiläums machen ließen. Einmal schaut man hinein in die Nobelherberge in Oberhof und bei dem anderen Foto: Titelbild – ins Schloß Reinhardsbrunn. Von den Parkettböden ist fast nichts übrig geblieben, denn beide Objekte verfallen und stehen leer.
Handwerk mit Geschichte: Diese DDR Objekte gehören zu Achim Kessels Erinnerungen
In folgenden bekannten Bauwerken war Parkettleger Meister Achim Kessel vor 1989 selbst tätig:
- Palast der Republik in Berlin (abgerissen)
- Deutsch-sowjetische Botschaft in Berlin
- Gästehaus des DDR-Ministerrates in Oberhof
- Ernst-Thälmann-Haus Oberhof (abgerissen)
- Schloss Reinhardsbrunn
- FDGB-Ferienheime im Bezirk Suhl und Gotha
- Rennsteighotel Oberhof (abgerissen)
- Schloss Molsdorf
- Jagdschloss Oberhof (abgerissen)
- Berufsschule Hildburghausen (abgerissen)
- Salzmannschule Schnepfenthal
- Wartburg und Wartburghotel Eisenach
- Jugendwerkhof Friedrichswerth
- Schloss Kranichfeld
- verschiedene Gemeindesäle im Bezirk Suhl
Jedes dieser Objekte erzählt seine eigene Geschichte, so Achim Kessel. Manche waren politische Prestigeobjekte, andere traditionsreiche historische Gebäude mit jahrhundertealter Vergangenheit. Es ist wirklich schade, das heute manches Gebäude trostlos da steht.
Historische Parkettböden brauchen heute echte Restaurationskunst
Gerade in alten Schlössern oder historischen Gebäuden sind originale Parkettböden oft kunstvoll gefertigt. Häufig handelt es sich um Intarsienarbeiten oder individuell angefertigte Musterböden, die heute nur noch von spezialisierten Restauratoren originalgetreu instand gesetzt werden können.
Wenn historische Gebäude über Jahre leer stehen, leidet die gesamte Innenausstattung massiv. Umso wichtiger ist die fachgerechte Restaurierung solcher Böden, damit ein Stück Bau- und Handwerksgeschichte erhalten bleibt.
Für Achim Kessel sind diese Erinnerungen weit mehr als nur berufliche Stationen. Sie stehen für ein Handwerk, das Generationen überdauert – und für eine Zeit, in der hochwertige Parkettarbeiten selbst in der DDR einen besonderen Stellenwert hatten.
- Mehr Erinnerungen aus der DDR-Zeit finden Sie in unserem weiteren historischen Beitrag.
- Lesen Sie hierzu auch unseren Beitrag über Handwerk und Arbeiten in der DDR.




